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15. Mai 2013 · Kommentare deaktiviert für Die Wiederentdeckung des John Dowland · Kategorien: Resonantia Leipzig, Uncategorized · Tags: , , , , , ,

Ensemble Resonantia nimmt mit ihrer Debüt-CD Kontakt zum ursprünglichen Werk von John Dowland auf.

Debüt CD von Resonantia: Fortune my Foe - John Dowland

Debüt CD von Resonantia: Fortune my Foe – John Dowland

 

Manuskript für Hörfunktproduktion (Copyright und Aufführungsrechte by Michael Lindner)

Musikeinspiel:   Preludium (ausspielen, auf die Musik ab ca. 45 Sekunden Text aufsprechen)

Das „Preludium“ von John Dowland eröffnet die vorliegende Debüt-CD des Leipziger Renaissanceensembles RESONANTIA. Mit „Fortune my Foe“ verwirklichte sich das Ensemble einen langgehegten Wunsch nach der Interpretation von Liedern des englischen Komponisten  John Dowland. Auch wenn nur zwei Ensemblemitglieder an dieser Produktion mitwirkten, so erscheint das vorliegende CD-Werk als konsequente Fortführung des musikalischen Wirkens der Leipziger Musiker.

„Fortune my Foe“ beinhaltet 12 Titel des berühmtesten Lautenisten des 16./17. Jahrhunderts. RESONATIA feiert mit dieser Stückauswahl den 450. Geburtstag, der in diesem Jahr gegangen wird.

Musikeinspiel:   Come again (anspielen, auf die Musik ab ca. 1:37 Minuten mit Beginn des Instrumentaleinspiels, dann nach ca. 10 Sekunden ausblenden bevor die dritte Strophe beginnt)

„Come again“ kann als Popsong seiner Zeit betrachtet werden. Es war der Hit aus dem First Book von John Dowland. Das Lied sticht aus der Sammlung vertonter Texte, sogenannter Airs hervor und liegt eigentlich in zwei verschiedenen Textvarianten vor. Frank Petersen, musikalischer Leiter von RESONATIA hat sich bewusst für die erste Fassung entschieden. Er wollte mit dieser Interpretation sowohl die Virtuosität seines Lautenspiel unterstreichen, als auch der gelungenen Umsetzung des Textes durch den Gesang seiner Partnerin Doreen Busch Ausdruck verleihen. „Come again“, das Dowland 1597 komponierte, steht für eine sehr hohe Musik-Text-Konvergenz, die RESONATIA gelungen umgesetzt hat.

Musikeinspiel:   Go from my window (anspielen, auf die Musik ab ca. 1:10 Minuten mit Beginn des Instrumentaleinspiels, dann nach ca. 10 Sekunden ausblenden bevor die dritte Strophe beginnt)

Der eigentliche Hit aus heutiger Sicht wurde mit „Go from my window“ eingespielt. Über 10.000 Einträge des Titels sind unter You-Tube zu finden und widerspiegeln die Wandelbarkeit der Lautenlieder des John Dowland. Obwohl diese Ballade von vielen Komponisten verschiedentlich arrangiert wurde, bearbeitet RESONATIA den Folksong nach Dowlands Lautensolo und bleibt damit am Original. Der Musiker Frank Petersen und seine Gesangspartnerin Doreen Busch würdigen hier die Kreativität des Renaissancekomponisten. Somit ist die CD „Fortune my foe“ nicht nur ein Zitat der Dowland-Werke, auch wenn es nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Gesamtschaffen mit über 80 Liedern des Dowland darstellt. Leider hatte es Dowland selbst nie geschafft, sein Komplettwerk zusammenzufassen. Erst die Amerikanerin Diana Poulton stellte mit ihrem Buch „The collected Lute Music of John Dowland” 1974 das vermeindliche Gesamtwerk vor. Gestützt auf Originaldrucke und Faksimile versuchte sie die Werke Dowlands zu ordnen und den Schaffensperioden zuzuordnen.

Musikeinspiel:   Flow my tears (anspielen, auf die Musik ab ca. 1:40 Minuten, dann nach ca. 10 Sekunden ausblenden)

Texteinspiel:      Flow, my tears, fall from your springs!
Exilde for euer: let mee more;
Where nights black bird hir sad infamy sings,
There let mee liue fortlorne.

Überlagert nach Zeile 2 mit der deutschen Übersetzung auf den englischen Text:

Fließt, meine Tränen, stürzt aus Euren Quellen!
Verbannt für immer laßt mich klagen,
Dort wo der schwarze Vogel der Nacht seine schlimme Niedertracht besingt,
Dort laßt mich einsam leben.

Die doch sehr düster anmutenden Zeilen, die durch den Gesang von Doreen Busch bestärkt werden, weisen auf die Zugehörigkeit Dowlands zu den Melancholikern hin. „Den Melancholiker der Renaissance kennzeichnen gleicherweise heldenhafte Kraftanstrengung und ein Sichdreinfinden, Wille und Einsicht, das alles zerstörende ,Trotzdem‘, und das alles akzeptierende ‚Doch Nicht‘“, charakterisiert Lázló Földényi die Strömung jener Zeit. Der Mensch werde zum autonomer Schöpfer von immer Neuem und bezahlt dieses Mühen mit dem Leiden an der Melancholie. Auch Dowland, der sich zur Strömung der Melancholie bekannte, war in seiner schöpferischen Vielfalt Entdecker und Künstler. Er entdeckte alte Texte wieder oder leitete aus dem Alten Neues ab, um es in seinen Lautenstücken zu vertonen und somit eine Art Volksliedgut der Renaissance zu schaffen.

Hinzu kam sein Bestreben nach dem höchsten Amte für einen Lautenisten, dem des Elisabethanischen Hoflautenisten. Auf seinem Weg dorthin befindet er sich selbst aus scheinbar rein karrieristischen Bestrebungen im Widerstreit der religiösen Strömungen, wechselt zum katholischen Glauben, um in Italien Fuß zu fassen und zieht sich dadurch das Misstrauen der Krone Englands zu. Er wird in Frankreich, Italien, Deutschland und vor allen Dingen in Dänemark zu dem Ruhm und finanziellen Erfolg gelangen, der ausreichen sollte, um ein erfülltes Leben zu pflegen. Doch noch fehlte dem berühmten Lautenisten seine Trophäe. Und mit Erlangen dieses endgültigen Triumpfes des Musician for the lute am 28. Oktober 1612 endet auch sein musikalisches Schaffen und wiederspiegelt somit auch das Bild Dowlands als Melancholiker: Sich selbst erkennen und mit Erfolg dann doch unzufrieden zu sein.

So fließen schon im Jahre 1600 seine Tränen in Flow my tears:

Texteinspiel:      Wie glücklich ist doch der, der in der Hölle weilt,
Wo ihn der Spott der Welt nicht mehr ereilt.

Musikeinspiel:   Flow my tears (die Musik ca. 3:55 Minuten einspielen bis Ende)

„Flow my tears“ ist mit Abstand das berühmteste Stück des John Dowland. Dowland, dessen Name sich von der Dohle ableiten lassen soll, hinterließ mit seinem Tod im Jahr 1626 fast 100 Kompositionen für Laute solo, die bis heute erhalten sind. Die vorliegende CD des Ensemble RESONANTIA hat einen Ausschnitt seines Werks eindrucksvoll umgesetzt. Dowland wurde von namhaften Künstlern wie Benjamin Britten und Bernard Steven oder den britische Rock-Musiker Sting (Gordon Matthew Thomas Sumner) auf unterschiedliche Weise zitiert. Und doch liegt mit der CD von RESONANTIA ein Musikprojekt vor, das musikalisch in die Zeit der Renaissance entführt und seines Gleichen in dieser Qualität sucht. Mit der Ansammlung von Dowland Hit’s ist die vorliegende CD von RESONANTIA ein ausgesprochenes Best-Off-Album zum 450. Geburtstag John Dowlands. Frank Petersen hat sich viel mit diesem Musikprojekt vorgenommen und erfüllt nicht nur seine selbstgesteckten Erwartungen. Immer wieder greift der Musiker Petersen mit instrumentalen Zwischenspielen ein und fächert dadurch die ansonsten recht kurz wirkenden Stücke geschickt aus. Generell ist auf der vorliegenden CD zu erkennen, dass sich Frank Petersen auf die traditionelle Darbietung des Lautenspiels und der gesanglichen Interpretation besinnt. Entgegensetzt zur mehrstimmigen Komposition durch Dowland hat Frank Petersen in einigen Stücken die einzelnen Stimmen eingespielt. Er hat Dowlands Lautensolos sowie die Broadside Ballads extabuliert und machte somit aus diesen wieder Lieder. Klangvoll und stimmlich hervorragend umgesetzt, was auch eine der drei eingespielten Broadside Ballads verdeutlicht:

Musikeinspiel:   The third part – When the poore Criple (anspielen, auf die Musik ab ca. 1:31 Minuten, dann nach ca. 10 Sekunden ausblenden)

Mit dem Erstlingswerk der Freunde der Renaissancemusik wurde gleichzeitig eine der ersten Produktionen im Jubiläumsjahr des englischen Lautenvirtuosen John Dowland veröffentlicht. Im Mutterland England wird bereits des Komponisten musikalisch gedacht. Mit „Fortune my Foe“ verneigt sich RESONANTIA vor dem berühmtesten Lautenisten der Renaissance: John Dowland.

Musikeinspiel:   Fortune my Foe (komplett ausspielen)

Musik-/Texteinspiele ca.:       12:27 min.

Textpassagen ca.:                   5:45 min.

Erstellt von: Michael Lindner (presse@resonantia-leipzig.de)
(Text und Übersetzung aus: Christian Kelnberger:     Text und Musik bei John Dowland, Verlag Karl Stutz Passau, 2004, Zweite Auflage)

CD-Produktion: Duo RESONANTIA: Frank Petersen (Laute / Theorbe / Barockgitarre) und Doreen Busch (Mezzosopran)

Weitere Informationen und Bildmaterial:

RESONANTIA Leipzig
Frank Petersen
Mierendorffstraße 65
04318 Leipzig
Tel.: 03 41 | 6 89 71 28
E-Mail: petersen@resonantia-leipzig.de
Internet: www.resonantia-leipzig.de
Facebook: http://de-de.facebook.com/pages/Resonantia/226929610704377
YouTube: http://www.youtube.com/watch?v=p6PTYyS_Ris

Literaturhinweise:

Christian Kelnberger: Text und Musik bei John Dowland, Verlag Karl Stutz Passau, 2004, Zweite Auflage

Charlotte Jurk aus Kiedrich: Der niedergeschlagene Mensch. Depression. Eine sozialwissenschaftliche Studie zu Geschichte und gesellschaftlicher Bedeutung einer Diagnose, Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades (Dr. rer. soz.) des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften der Justus-Liebig-Universität Gießen, 2005

Diana Poulton, Basil Lam: The Collected Lute Music of John Dowland, Faber & Faber; 3 Reprint edition (December 1998)

Iwen Schmees, M.A.: www.johndowland.de, online seit 22.01.2005

Lázló Földényi: Melancholie, Matthes & Seitz Berlin; Auflage: Erw. Neuausgabe. (1. Oktober 2004)

Hartmut Böhme: Kritik der Melancholie und Melancholie der Kritik. Böhme: Natur und Subjekt, Frankfurt am Main 1988, II. Subjektgeschichte

Hintergrund: RESONANTIA Leipzig

Unter der musikalischen Leitung von Frank Petersen (Laute | Theorbe | Barockgitarre) gehören weiterhin zum Ensemble Doreen Busch (Mezzosopran), Detlev Schulten (Orgel | Cembalo) und Johanna Baumgärtel (Traversflöte). Gegründet 2006 entwickelte sich das Ensemble schnell zu einem gefragten Originalklangensemble für Musik der Renaissance und des Barock. Instrumente, die den Originalen der Zeit entsprechen, begründen den schnellen Erfolg genauso, wie die Art der historischen Aufführungspraxis und der dabei tief empfundenen Emotionalität. Frank Petersen beschreibt das Anliegen ihres musikalischen Repertoires als „Insel der Stille und Besinnlichkeit“. Er und seine Ensemble-Kolleginnen und -Kollegen legen viel Wert auf umfangreiche Kenntnisse aus den Zeiten, in denen die aufgeführten Lieder entstanden sind.

Für 2013 sind erneut viele Auftritte mit Einzelprogrammen und auf Festivals der Renaissancemusik, wie der Konzertreihe auf Schloss Reinharz, geplant. Der Erfolg ihrer ersten CD bestärkte das Ensemble Resonantia, 2013 eine neue Musik-CD zu produzieren. Diese Produktion liegt nun vor. Zudem wurde ein Projekt mit behinderten Menschen realisiert.

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