05. Januar 2015 · Kommentare deaktiviert für Gastbeitrag Jan Deicke: Zum Gruße dem Patriotischen Dresden. | Polemischer Jahresabschluss. Leider. Aus gegebenem Anlass. · Kategorien: Gesellschaft, Politik

Wir möchten. dass alle Kinder in einem friedlichem und weltoffenem Deutschland und Europa aufwachsen können!“ Quelle: Pegida.de (Button Info)

Wir möchten PUNKT. In einem friedlichem. – Soso. Das ist mal ne Ansage. Also voll echt, ich fürchte mich auch vor dem ganzem Moslens, die das supi Deutsch ganz falsch mit alles Dativ verhunzeln tun. wollen. werden! PUNKT

Liebe Pegida-Freunde, ich weiß, es ist nicht schön, ausgelacht zu werden. Und ich bin ganz bestimmt ein total arrogantes Arschloch, wenn ich angesichts Eurer unfreiwilligen Komik nicht mehr an mich halten kann und es nun doch tun muss. Lachen. Aus vollstem Halse.

EHRLICH – ich steh auch dazu!! Euer Führer-Lutzi steht ja auch zu seiner kriminellen Vergangenheit. Und Ihr liebt ihn dafür. Also steh ich zu meiner Arroganz und lache mir einen Ast über Euer dürftiges DEUTSCH. Selbst wenn Ihr mich dann nicht ganz doll liebhabt und schon gar nicht zum Führer dafür kürt. (Ist die deutsche Sprache nicht herrlich? Diese melodischen Ü!! Wenn uns damit nur nicht ausgerechnet diese verdammten KÜmmeltÜrken – aua! aua! – auch noch übertreffen würden!! Dann könnte man das fehlerfrei ausgesprochene Ü zur Dütsch-Büchstübünprüfüng erklüren. Und Lutzi würde zum Lützi. Und aus dem Islam ein Üslam. Und alles gar nicht mehr so übel schlimm*, oder? Übrigens, es gab schon mal eine Massenhysterie, in der war nicht so viel Ü nötig. Man war sich sehr sicher, die Verjudung des Teutschen Bodens stoppen zu müssen. Und zum Beweis, dass man ganz ehrlich weltoffen ist, hat man sogar eine Olümpiade, Entschuldigung: OlYmpiade abgehalten. Wir sind das Volk!, das auch damals schon beachtlich euphorisch gejubelt oder wenigstens herzlich sümpaMENNOsympathisiert hat.)

Angesichts der Brusttöne voller Überzeugungen, Deutschabendland und seine Sprache wären voll krass bedroht, könnte man dem Gedanken verfallen: Bedroht von wem? Etwa von Euch höchstselbst am Ende? Wer hats zuerst gerochen, aus dem ist es gekrochen.“ haben wir als Kinder immer gefrotzelt. Geld & Reichtum stinken ja nicht. Geistige und herz-liche Armut dagegen manchmal schon. Zum Himmel sogar.

Jedenfalls hab ich lange nichts Groteskeres vernommen als diese Selbstinszenierung als Deutschlands volksheldische Sprachrohre und die gleichzeitige offenkundige Unkunde der deutschen Grammatik.

Wirklich dumm ist nur: Ich kann so viel lachen wie ich will. Ich kriege trotzdem ein böses Frösteln und das beklemmende Gefühl nicht los, dass sich in Euren Reihen eine wenig appetitliche Mischung zusammenpampt:

Wenn sich Wut, Sorgen, Aufbegehren (die ich bestens kenne und in bestimmten Belangen herzerfrischend sympathisch finde!) mit hohlen Parolen und Einbahnstraßen-Reflektion, mit Selbsterhöhung und Kleingeist, mit Selbstgerechtigkeit und Vorurteilen, mit schierem Nicht-Wissen und Nicht-Wissen-Wollen paarend massenhaft entäußern, dann vergeht mir das Lachen ziemlich plötzlich und ich krieg auch eine Wut. Eine ziemlich kalte und unsympathische. Und ich muss um Contenance, böses Fremdwort!, ringen, um gefasst zu sagen: Vielen, vielen herzlichen Dank. Aber Eure Fantasy- und Gartenzwerg-Welt möcht ich ganz gewiss nicht haben. Nicht mal neben dran als deutscher Nachbar. Da könnt Ihr auf der Fassade noch so sehr von Weltoffenheit und Friedlichkeit schwadronieren. Ein Narr, der Euch dieses abnimmt!

Ich weiß, ich weiß. Nicht alle alle alle von Euch, die mitlaufen und „liken“ und „jetzt mal nicht gleich alles so schlecht finden“ mögen narrisch, bigott und vergartenzwergt sein. Vielleicht. Hoffentlich. Trotzdem. Heinrich, mir graut vor Dir!   (Beethoven. Oder so.)**

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* Achtung, eingebaute Sprachtestfalle. Schlimm ist schon wieder DATIV!! Muss hier nun der AKKUSATIV her? Ach egal, das war 4. Klasse und alles nicht so schlinn. ** Apropos Beethoven & öffentliches Liedertümeln: Noch ein paar Vorschläge. Bekannte Melodien. Prima zu instrumentalisieren. Original abenddeutsches Liedgut,  auch zum Jahreswechselreigen noch prima zu trällern.   Ade, nun mein Deutschaaabendland, Deutschaaabendland ade Oh! Abendland, oh! Abendland, wie bist du oh! umnachtet    (Oh! ist mit besonderer Emphase zu singen!) In einem tiefen Grunde, da liegt mein wahr Gesicht Ein feste Burg ist unser Trutz   (für weiterführernden Personenkult kann man statt Trutz natürlich auch utzig klingende Namen einsetzen. Wie Klaus. Oder Franz.)

Liedzettel vorhanden. Mit ganzer 1. Strophe. Rück ich aber nur gegen Valuta-Mark raus!  Zweite und mehr Strophen gegen Nachweis der Kenntnis der deutschen Sprache.

mondschaafs Lauschpalast | Erzählkunst, Theater, Klang
Jan Deicke
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