09. September 2016 · Kommentare deaktiviert für Kopfsache Sprache – Motivator für das Handeln · Kategorien: Gesellschaft, Politik · Tags: , , , , ,



Im Juni schon entstand das „Manifest: Haltung zählt“ des Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) Aufruf für ein respektvolles Miteinander. Darin machen die Bayrischen Lehrer auf den Umstand aufmerksam, dass mit der Verrohrung der Sprache im gesellschaftlichen Miteinander auch ein aggressiveres Handeln gegeneinander einhergeht.
Der renommierte Freiburger Neurobiologe Prof. Dr. Joachim Bauer untersuchte den Aspekt der Verrohung der Umgangsformen und warnte in einem Gespräch mit der BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann vor einem Fortschreiten dieser Entwicklungen. Der Arzt und Psychotherapeut betont: „Worte wirken massiv auf das Gehirn.“ Als Ursache für diese Verrohung sieht er den zunehmend rüden Ton in der Politik und den Medien, allen voran in den Sozialen Netzwerken. Das spiegelt sich auch im Verhalten der Kinder auf dem Schulhof nieder. Für ihn ist klar: „ Die Art und Weise, wie wir vor Kindern und Jugendlichen sprechen, wird sie prägen. Hasskommentare im Internet, demütigende Äußerungen in der Politik, Ausgrenzung und Beleidung: Was Kinder über Medien wahrnehmen oder in ihrem Umfeld erleben, prägt ihr Verhalten. Das hat Folgen für die Gesellschaft.
Doch schauen wir nicht nur auf unsere Kinder, sondern auch auf den Teil der Verantwortung der Eltern in diesem Prozess der Verdunklung am Sprachhimmel, der offensichtlich mehr und mehr ein Kaltland aus dieser Republik macht. Jedoch nicht erst seit der Welle der Geflüchteten im letzten Jahr ist diese Zunahme der aggressiven Sprachgebrauchs zu bemerken. Nein, leere Sprechblasen, kaputte Worthülsen oder verbale Ausbrüche geistern aus meiner Sicht schon mehrere Jahrzehnte durch den Äther, werden von Generation zu Generation gedankenlos übertragen, übernommen, modifiziert zu weiteren Extremäußerungen. Die Schuld dafür kann ich einfach und ganz schnell an den Politikern, der kommerziellen Werbung und den alles kommentarlos verbreitenden, vor allem privaten Medien festmachen. Deren Rolle, Vorbildrolle, Bildungsauftrag ist klar definiert, ja auch für die Werbung. Nur, wer hält sich dran. Schnell ist die Rede davon, dass man sich massenkompatibel einstellen müsse. Ja wirklich? Oder sollte man nicht zurückkommen zu einer Sprachkultur des gegenseitigen Respekts? Und genau da liegt auch die Ursache nach meinem Empfinden. Die Menschen wissen scheinbar gar nicht mehr, wie man miteinander respektvoll umgehen sollte. Es bringt ihnen niemand bei. Weder die dritte oder gar vierte Generation Eltern, denen man keine Chance zur Bild gab oder die sie auch eigener Motivation heraus auch nie sahen oder nutzen wollten (ich unterstelle hier bewusst einen Mangel an Bildungsinteresse), noch das Bildungssystem haben den Sprung geschafft, aus den heranwachsenden jungen Menschen intelligente Erdenbürger entstehen zu lassen. Die Verantwortung liegt in erster Linie bei mir selbst, ob ich mein Gegenüber beleidigen möchte oder gleich zuschlage. Dafür bedarf es keiner Gesetze und Regelungen. Das müsste uns Menschen als natürliche Logik in die Wiege gelegt werden, quasi als Selbsterhaltungstrieb. Und damit entscheide ich mich auch bewusst, ob ich mir Hasstiraden im Internet „reinziehe“, zum „Fäkalien-TV“ der Privaten umschalte oder mich vor eine Tribüne stelle, von der menschenverachtende Töne machtgieriger Politiker herunterschallen.
Das Manifest des BLLV hat geholfen, den Denkenden unter uns ein positives Signal zu gegen für mehr Achtung gegenüber der Sprache und damit seinen Mitmenschen gegenüber. Es ist für mich, der sich als Elternsprecher seit Jahren engagiert, auch ein Signal, dass Lehrer gewollt sind, mehr für die Entwicklung unserer Kinder zu tun – in der Sprache und im Handeln.
Ein Hinweis zum Schluss auf ein interessantes Feature heute Abend, 09.09.2016, im Deutschlandfunk, um 20:10 Uhr: http://www.deutschlandfunk.de/das-feature.1246.de.html
Geht in Ordnung – sowieso – genau
Eine Reise ins Land der Dummdeutschen mit Eckhard Henscheid
Von Markus Metz und Georg Seeßlen
Regie: Matthias Kapohl
Produktion: DLF 2016

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